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30.06.2008

Tod eines Fallschirmspringers überschattete den Flugtag auf dem Walldürner Flugplatz

Die 'Tante JU' war der Star beim Flugtag. Foto: Markus Wagner
Die "Tante JU" war der Star beim Flugtag. Foto: Markus Wagner

Von Rainer Wagner

Walldürn. Alles hätte so harmonisch sein können, doch es kam anders. Am Samstag liefen noch die Motoren auf vollen Touren, auf der Startbahn starteten oder landeten die Maschinen im Minutentakt, zahlreiche seltene Flugzeuge wie etwa die JU 52 beherrschten den Luftraum über Walldürn und spektakuläre Kunstflüge begeisterten die Besucher. Am Sonntag dann zunächst das gleiche Bild, bis gegen 14 Uhr der tragische Absturz eines Falllschirmspringers passierte, bei dem der Springer – 42 Jahre alt – getötet wurde. Der Flugtag wurde darauf abgebrochen und die rund 6000 Zuschauer gingen geschockt nach Hause oder wurden mit den Shuttle-Bussen zu ihren Fahrzeugen gebracht.

Zum 50. Jubiläum des Flugsportclubs "Odenwald" hatte man den Tausenden von Zuschauern an beiden Veranstaltungstagen am Wochenende bis zum Abbruch ein Flugprogramm der Extraklasse geboten. "Der Himmel über Walldürn hing am Samstag voller Flugzeuge". Die "Tante JU" war wieder der Star unter den vielen Gratulanten, die den Walldürner Himmel bevölkerten.

Neben dem Flugprogramm, das die Zuschauer neben der Flight-Line Vorführungen der Extraklasse erleben ließ, bot der Flugsportclub auch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Kinderbetreuung, Flugsimulatoren und noch Vieles zum Sehen, Staunen und natürlich eine Menge an Information rund um das Fliegen. Ein Anziehungspunkt auch die Bell UH 1D der Bundeswehr, die in der Ausstattung eines Rettungshubschraubers zu sehen war. Und wer fliegen wollte, der konnte Rundflüge mit der "Tante JU", Helikoptern, Motorflugzeugen und Segelfliegern und dem französischen Transporter MH 1521 Broussard, der noch bis 1986 in der französischen Armee Dienst tat, buchen.

Der Auftakt am Samstagmorgen noch wolkenverhangen. Nach 120 Minuten Flugzeit aus der Schweiz schwebte gemächlich und imposant die "Tante JU" gegen 12 Uhr in Walldürn zur Geburtstagsparty ein. Von vielen Zuschauern bereits sehnlichst erwartet. Die Fotoapparate mussten da Schwerstarbeit verrichten. Moderator Uwe Ramerth stimmte derweil die Besucher auf die Air-Show des Nachmittags ein, gab zu allen Flugbewegungen Informationen, wusste Wissenswertes über die Geschichte der Fliegerei, zu jedem Flugzeug und auch zur Geschichte und zu den fliegerischen Angeboten des Jubiläumsvereins.

Auch zur Mittagszeit gab es keine Atempause. Der Nachmittag bot eine außergewöhnliche Flugshow mit hochkarätigen Piloten. Allesamt Flugenthusiasten, die – zumeist – alte Flugzeuge am Leben erhalten. Bei Flugtagen sind sie sozusagen "die Brücke zwischen den Menschen auf der Land- und der Luftseite" (Originalton Uwe Ramerth). Das Bild des Tages: der Start der "JU 52", eskortiert von einem Dutzend Doppeldeckern am Anfang der Airshow, nachdem zwei Fallschirmspringer des Spektakel am Himmel eröffnet hatten.

Und mit der Flugshow kam am Samstag auch die Sonne und erwärmte die vielen, Besucher mit ihrem Strahlen ebenso wie die Vorführungen der Piloten. Jetzt herrschte auf dem Flugfeld Hochbetrieb, Just in time und nach dem Kommando des Tower gingen die Maschinen in die Luft, kleine, große, leise, laute. So auch das international bekannte Formationskunstflugduo mit Walter und Toni Eichhorn, die mit ihren gewagten und präzise ausgeführten Flugmanövern auf der AT 6 Kunstflug in Vollendung zeigen.

Weitere spektakuläre Programmpunkte wie der Synchronsegel-Kunstflug des Kunstflugteams Franken, Marc Mathis auf der Yak 11, der Flug der Bücker 131, der Kunstflug von Ernst Haug und Günther Spitzer in den Pitts, der Oldtimer-Korso der German Historic Flight, der Windenstart des Schulgleiters (SG-38) und viele weitere Darbietungen, die einem den Atem stocken ließen, machten diese Flugshow zu einem Erlebnis. Rund 100 Flugzeuge bevölkerten den Verkehrslandeplatz Walldürn.

Der Start der Heißluftballone in den Abendhimmel fiel wegen zu starken Winds aus. Den Abschluss des Programms am Samstag bildete die Rock-'n’-Roll-Gruppe "Blizzards", die zum Tanz mit Musik aus den 1950er und 1960er Jahre aufspielte.

Am Sonntag bot der Flugsportclub seinen Besuchern zunächst dasselbe Programm noch einmal bis zu dem tragischen Unfall. Gegen 14 Uhr sprang während der Flugvorführungen eine vierköpfige Fallschirmspringerformation aus rund 1200 Metern Höhe ab. Vor den Augen der Zuschauer kam der zweite Springer aus der Fallschirmgruppe in rund zehn Metern Höhe in Schräglage und krachte mit seinem Fallschirm auf dem Boden auf. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuchen der Rettungskräfte und des Notarztes kam für den Fallschirmspringer jede Hilfe zu spät. Zur Klärung der genauen Unfallursache ermittelte die Staatsanwaltschaft am Sonntagnachmittag noch vor Ort.

Der Flugtag wurde darauf von den Verantwortlichen abgesagt. Für den Verein war es ein trauriger Jubiläumstag. Der Flugsportclub Odenwald wurde 1958 gegründet und besteht aus etwa 150 aktiven Mitgliedern. Der Flugplatz wurde 1984 zum Verkehrslandeplatz ausgebaut.

 

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